LIQUID EMA UND MMA: WO LIEGT DER UNTERSCHIED, IST MMA VERBOTEN?
![]() | Daniel Nekvasil Mitgründer von Euronailshop.com · 11/2026 |

Dies ist der meistgelesene Beitrag in unserem Blog, deshalb haben wir ihn im November 2026 vollständig neu geschrieben. Die neue Fassung enthält zusätzlich wissenschaftliche Daten, die Unterschiede auf molekularer Ebene und die aktuell geltenden Vorschriften in der EU, in Tschechien und in Deutschland.
Zusammenfassung:
- MMA und EMA unterscheiden sich nur um eine CH₂-Gruppe, auf dem Nagel verhalten sie sich jedoch unterschiedlich.
- In der Kosmetik ist MMA in der EU nicht ausdrücklich verboten. Liquids mit hohem MMA-Gehalt können jedoch als gesundheitsschädliches Produkt bewertet und vom Markt genommen werden.
- In der Praxis des Nageldesigns ist EMA die bessere Wahl, aber nicht harmlos. Auch EMA kann Allergien auslösen, deshalb darf das Liquid nicht auf die Haut gelangen.
1. Der Unterschied zwischen den beiden Molekülen
Liquid ist ein Monomer: kleine, einzeln vorliegende Moleküle. Im Kontakt mit dem Pulver verbinden sie sich zu langen Ketten, sogenannten Polymeren, und die Modellage härtet aus.
MMA und EMA haben dasselbe Grundgerüst mit einer Doppelbindung, wodurch das Liquid überhaupt aushärten kann. Sie unterscheiden sich nur am Ende des Moleküls: MMA trägt eine Methylgruppe, EMA eine um eine CH₂-Gruppe längere Ethylgruppe.

Dieser kleine Unterschied hat zwei Folgen:
- Verdunstung: Bei 20 °C beträgt der Dampfdruck von MMA etwa 3,9 kPa, der von EMA etwa 2,0 kPa. Bei gleicher Temperatur verdunstet MMA daher leichter.
- Härte des Polymers: Die längere Seitenkette erschwert es den Ketten, sich dicht aneinanderzulagern. Untersuchungen an Polymethacrylaten zeigen: Je länger die Seitenkette, desto niedriger die Glasübergangstemperatur, das Material ist also flexibler. In einer Studie zu temporären Dentalkunststoffen hatte PMMA eine Tg von 131 °C und einen Modul von 2,9 GPa, PEMA dagegen 102 °C und 1,8 GPa. Das sind keine Nagelprodukte, der Trend entspricht aber der Praxis.


Häufiges Missverständnis: Wenn im Pulver „methyl methacrylate“ steht, bedeutet das nicht, dass das Pulver so gefährlich ist wie MMA-Liquid. Im Pulver liegt bereits fertiges PMMA-Polymer vor: Ketten mit mehr als 2.500 Einheiten, eingebettet in Partikeln von 50–80 µm. Der verbleibende Monomergehalt liegt üblicherweise nur bei einigen Zehntelprozent. Das Problem ist das flüssige MMA-Monomer, nicht das PMMA selbst.
2. Was auf dem Nagel passiert

Laut dem Nail Manufacturers Council und dem Chemiker Doug Schoon hat MMA-Liquid folgende Hauptprobleme:
- Haftung: MMA haftet schlecht auf dem Nagel, deshalb muss die Nageloberfläche sehr stark angeraut werden. Das macht den Nagel dünn und schwach.
- Härte: Die Modellage ist sehr hart. Bei einem Stoß kann der zuvor dünn gefeilte Naturnagel eher brechen als die Modellage.
- Entfernen: Das Material löst sich so gut wie nicht, daher wird es häufig abgehebelt, was den Naturnagel zusätzlich schädigt.
Ein korrekt formuliertes EMA-Liquid löst sich im Remover und ist flexibler. Bei einem starken Stoß kann es allerdings leichter brechen als MMA.
3. Was die Wissenschaft zur Gesundheit sagt
- Allergie: In der EU sind sowohl MMA als auch EMA als hautsensibilisierend eingestuft (H317). Das deutsche BfR gibt an, dass MMA-Monomer stark sensibilisierend wirkt. Es kann außerdem Entzündungen des Nagelwalls verursachen und dazu führen, dass sich der Nagel vom Nagelbett ablöst; in Einzelfällen wuchs der Nagel nicht nach.
- Auswirkungen auf andere Materialien: Wer gegen MMA sensibilisiert ist, kann auch auf Dentalmaterialien oder Knochenzement reagieren.
- Raumluft im Studio: In sieben Studios in München wurden 2,1–16 mg/m³ MMA gemessen; in 77 Studios in Kalifornien lag das geometrische Mittel bei 1,43 mg/m³. Messungen in Hamburg aus dem Jahr 2011 zeigten, dass Studios mit Lüftung und höchstens drei Arbeitsplätzen die Grenzwerte einhalten. Die Behörde warnt jedoch vor kleinen, unbelüfteten Räumen mit mehreren Arbeitsplätzen.
- Krebs: Die IARC ordnet MMA als nicht klassifizierbar ein (Gruppe 3), und der Nail Manufacturers Council bezeichnet die Behauptungen zu Krebs und Fruchtschädigung als Gerücht. Die Gründe, MMA zu meiden, sind die oben genannten.
- Sicherheit von EMA: 2002 bewertete das US-amerikanische CIR-Gremium EMA als sicher, sofern die Hinweise zur Vermeidung von Hautkontakt beachtet werden. Die Methacrylate Producers Association (MPA) ist zurückhaltender: Sie befürwortet die Anwendung von Monomeren auf dem Nagel nicht, weil sich Hautkontakt nicht vollständig vermeiden lässt. Für EMA gilt daher: sicherer bedeutet nicht risikofrei.
4. Geltende Vorschriften

EU: In der Kosmetikverordnung (EG) 1223/2009 ist MMA nicht ausdrücklich verboten. Die verantwortliche Person muss jedoch sicherstellen, dass das Produkt sicher ist (Artikel 3). Auf dieser Grundlage haben die Behörden Liquids mit hohem MMA-Gehalt über das europäische Schnellwarnsystem vom Markt genommen. In Bayern enthielten 2012 12 von 19 in Studios entnommenen Proben 93–98 % MMA, und alle 12 Proben wurden als ernstes Risiko gemeldet. Die übrigen 7 Proben waren EMA. In Berlin enthielten 7 von 13 Proben von Großhändlern 80–90 % MMA.
Deutschland: 2011 empfahl das BfR den Herstellern, in Pulver-Liquid-Systemen auf MMA zu verzichten. Der Arbeitsplatzgrenzwert für MMA liegt bei 210 mg/m³; für EMA gibt es in Deutschland bisher keinen Grenzwert.
Tschechien: Es gelten die Vorschriften der EU. Für den Arbeitsplatz legt die Verordnung Nr. 361/2007 Sb. für MMA einen PEL von 50 mg/m³ und einen NPK-P von 150 mg/m³ fest. Für EMA gibt es keinen eigenen Eintrag.
USA: Die FDA ging bereits in den 1970er-Jahren gegen MMA-Liquid vor, hat aber bis heute kein offizielles bundesweites Verbot erlassen. Laut dem Nail Manufacturers Council (2006) haben 30 Bundesstaaten und Kanada ein Verbot ausgesprochen. Deshalb heißt es in den USA häufig, MMA sei „verboten“ – und diese Aussage wird oft fälschlich auf Europa übertragen.
Fazit: Auch ohne ausdrückliches Verbot sollten Studios keine Liquids mit hohem MMA-Gehalt verwenden. Mehr zur Verantwortung des Studios im Beitrag Legale Produkte im Nagelstudio: EU, Tschechien, Deutschland.
5. Wie Sie MMA erkennen

Am zuverlässigsten sind das Sicherheitsdatenblatt (SDS, Abschnitt 3) und eine Laboranalyse. Eine Studie aus dem Jahr 2024 weist zudem darauf hin, dass die Inhaltsstoffangaben auf Nagelprodukten falsch oder unvollständig sein können – fordern Sie deshalb immer das SDS an.
Verdächtige Anzeichen sind ein zu niedriger Preis, ein unbekannter Hersteller und eine Modellage, die sich nach der üblichen Einweichzeit nicht löst. Geruch und Farbe sagen nichts aus: Die Farbe stammt lediglich von Farbstoffen, und der Geruch allein belegt kein MMA.
6. Wie Sie sich bei der Arbeit schützen

Am wirksamsten ist eine Absaugung der Dämpfe direkt am Arbeitstisch. Laut der Hamburger Arbeitsschutzbehörde muss die Luft nach außen abgeführt oder durch einen regelmäßig gewechselten Aktivkohlefilter (mindestens 3 kg) geleitet werden. Verwenden Sie kleine Dappengläser mit Deckel, lassen Sie das Liquid nicht auf die Haut gelangen und entsorgen Sie benutzte Wattepads in einem dicht schließenden Behälter. Beide Monomere sind leicht entzündbar (H225).
7. Liquid Keystone und Platinum

Liquids der Marken Keystone und Platinum bieten wir im Großhandel an, ausschließlich für Distributoren.
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Quellen
- BfR 014/2012: Liquids für die Nagelmodellage mit hohem MMA-Gehalt
- LGL Bayern: MMA in Nagelmodellagemitteln (2012)
- Richtlinie 2009/161/EU: Arbeitsplatzgrenzwerte
- Tschechien: Verordnung Nr. 361/2007 Sb.
- Umweltbundesamt 2021: MMA in der Innenraumluft
- Nail Manufacturers Council: MMA-Monomer
- Doug Schoon: MMA und die Nagelbranche
- CIR 2002: Sicherheitsbewertung von EMA


